Der Digicode

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Der Digicode

Sieben sechs A neun eins! Hören Sie’s? Dieses leichte Summen? Geschafft, Sie können rein! Dieser Wächter mit 12 Tasten – 10 Ziffern und zwei Buchstaben – nennt sich DIGICODE, eine Abkürzung von Digitalcode, und ist eine französische Erfindung: der Elektroingenieur Bob Carrière meldete 1970 sein Patent an. Die digitale Tastatur sollte den bisher üblichen Haustürschlüssel ersetzen. Eine kleine Revolution. Denn Anfang der 70er Jahre, als es noch keine Bankautomaten, geschweige denn Computer für den Privatgebrauch gab, gehörten digitale Tastensysteme noch längst nicht zum Alltag.

Raten Sie mal, wer den Erfinder auf seine schlaue Idee gebracht hat? Elzie Segar, der Zeichner des Comichelden Popeye. Sehen Sie, wie der gewitzte Schiffskoch der Zeichentrickserie sein Bier im Kühlschrank damals vor fremdem Zugriff schützen wollte. Als Bob Carrière das sah, versuchte er dem Drehscheibenmodell zunächst treu zu bleiben, doch da das Eingeben des Codes so zu lange dauerte, erfand er ein Tastensystem. Und so sah er aus, der Prototyp : aussen ein simpler Holzrahmen und innen die Tasten der damaligen IBM-Schreibmaschine.

Heutzutage gibt es unzählige Modelle, jeder scheint in Frankreich welche herzustellen: Oben drüber gibt’s eine Beleuchtung und darunter befindet sich ein Schlüsselloch, in das übrigens nur der Generalschlüssel der Postboten und Feuerwehrmänner passt, die sich natürlich nicht alle Codes der Stadt merken können. Der runde Knopf dort lässt die Tür tagsüber manchmal auch ohne Code aufgehen. Und das hier ist mein Lieblingsmodell: haben Sie den Code geknackt, erlöscht das rote Lämpchen und leuchtet das grüne.

Natürlich gibt es Digitalcodes auch bei uns in Deutschland, doch in der Regel nur an offiziellen Gebäuden. In Paris gibt es eine wahre Digitalcode-Epidemie, die zuerst die schicken Stadtviertel befallen hat und sich dann wie ein Lauffeuer ausbreitete. Es ist nämlich viel kostengünstiger, die Haustür mit einem Digitalcode zu schützen als mit einer Sprechanlage, die mit jeder Wohnung verbunden sein muss.

Der Nachteil beim Digitalcode ist, dass er einen Code hat und diesen Code sollte man besser nicht vergessen, weder den eigenen, noch den der Freunde oder der Babysitterin, usw usw... Dann steht man wie bedröppelt vor der Haustür. Wenn man den Code vergessen hat, regnet es meist, es ist kalt und man hat es sehr eilig. Hilft nur das Handy. Ist besetzt, hilft nur Geduld. Schlimmstenfalls wartet man, bis endlich jemand in das selbe Gebäude will. Geschafft, denkt man, es ist geschafft! Doch freuen Sie sich nicht zu früh. Denn oft folgt dem ersten Code noch ein zweiter. Und manchmal erwartet einen sogar noch ein dritter Code am Fahrstuhl. Und dann... ein vierter, ein fünfter, ein sechster, ein siebter, ein achter, ein neunter, ein zehnter...

Text: Katja Petrovic
Bild: Nicolas Cappan