Anziehen! Anziehen!

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„Nicht aufgeben“, das ist das Lebensmotto von Michaela Götzl. Mädchenhaft wirkt sie auf den ersten Blick, sanft, gar nicht so, wie man sich eine Kämpfernatur vorstellt. Dass sie eigentlich aus Süddeutschland kommt, hört man erst, wenn man es weiß. Scheinbar mühelos hat sich die junge Designerin die Hauptstadtmentalität übergestreift.

Umwege

Doch bis dahin musste sie den einen oder anderen Umweg gehen. Gelernt hat die 33-Jährige das Modemachen an einer Privatuni in Stuttgart. „Während meines Studiums habe ich nie daran gedacht, mich selbständig zu machen“, lacht sie. Aber auch als fertig ausgebildete Modedesignerin findet sie zunächst keinen festen Job. Also arbeitet sie als Kostümdesignerin für diverse Musicalproduktionen. Die auf maximal vier Monate befristeten Verträge reiben sie allerdings schnell auf. Daher geht sie auf das Angebot vom Arbeitsamt ein, macht eine Fortbildung zur Graphikdesignerin und fängt in einer Werbeagentur an.

Irrwege

„Das wollte ich nie…,“ sagt Michaela Götzl und verschränkt dabei die Arme. Die Festanstellung hatte schon ihren Preis. „… diese endlosen Diskussionen, die Frage, welche Farbe der Schriftzug auf den Kugelschreibern haben soll“, all das kam ihr sinnlos vor. „Am liebsten hätte ich Entwicklungshilfe in Afrika gemacht, um das Gefühl der Leere loszuwerden“. Doch führt sie ihr Weg nach Karlsruhe, wo sie sich zum ersten Mal selbständig macht. Aber es läuft nicht. Ihre Sachen kommen nicht an.

Auswege

“Wenn man irgendwo in Deutschland Mode machen will, dann kann man eigentlich nur nach Berlin“, weiß sie heute. Die Leute sind modebewusst und die jungen Designer halten zusammen. Im Januar, während der Bread und Butter Schauen, stellen sie ihre Kollektionen in gemeinsamen Showrooms aus. Seit einem halben Jahr hat Michaela Götzl nun eine Ich-AG gegründet. Auf der Homepage (www.ichjane.de) gibt es farbenfrohe Einblicke in das Unternehmen. Geldnot und mangelnde Aufträge, die seit 2003 bei gut einem Fünftel der Alleinunternehmer zum Bankrott führte, sind für sie heute kein Thema.

Angekommen

Ihre Gelassenheit, mit der sie ans Werk geht, steckt an. Angenehm ist die Stimmung im Laden. Neben dem Eingang steht ein Sofa mit einem Tisch, auf dem sich Zeitschriften stapeln. Auch der weiße Flokatiteppich verleiht dem Raum etwas Wohnliches. Auf das Wohl fühlen legt Michaela Götzl auch bei ihren Entwürfen viel wert. „Meine Sachen sollen tragbar sein, ich mag natürliche Stoffe, zur Zeit bin ich im Jerseyfieber“. Aus dem bequemen Stoff sind zum Beispiel die schlichten, einfarbigen „Karatekleider“ - der Sommerhit des letzten Jahres. Die Winterkollektion ist ebenso dezent und originell. Klassische Etuikleider aus grauem Tweed hängen neben zartrosa Kordblazern. Fast könnte man meinen, dieses schicke Understatement sei zu brav für Mitte, aber gerade damit hat Michaela Götzl Erfolg. „Das ist noch Mode mit echtem Schnitt“ begeisterte sich kürzlich sogar eine prominente Kundin. Beatrix Aruna Pasztor, die Kostümdesignerin des Hollywood Films „Aeon Flux“, der zur Zeit in Babelsberg gedreht wird, kam neulich zufällig in ihren Laden. Aber diese Anekdote erzählt Michaela Götzl nur so nebenbei. Erstaunlich, wie entspannt sie an ihrer Nähmaschine sitzt. Wenn man sie so sieht, kann man sich schwer vorstellen, sie hätte je ans Aufgeben gedacht.